Seenotrettungskreuzer "Adolph Bermpohl"
mit Tochterboot "Vegesack"


   Das Original
 

Technische Daten des Originals

Länge: 26,6m    Breite: 5,8 m   Tiefgang: 1,8 m
Verdrängung: 90 t

Drei Motoren mit insgesamt 2400 PS verleihen dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von 19 Knoten.
 

Tochterboot:
Länge: 8,5 m   Breite: 2,1 m   Tiefgang: 0,75 m

Antriebsleistung 100 PS, Geschwindigkeit 10 Knoten

Der Seenotkreuzer "Adolph Bermpohl" gehört zu einer Serie von drei gleichen Schiffen, welche Mitte der sechziger Jahre von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Dienst gestellt wurde. Mit den beiden Schwesterschiffen "Georg Breusing" (Tochterboot "Engelke up de Muer") und "Arwed Emminghaus" (Tochterbooot "Alte Liebe") gedachte man bei der Namensgebung den drei Gründervätern der DGzRS.

Das obige Foto zeigt "Adolph Bermpohl" im Hafen von List auf Sylt. Seine erste Dienststation war die Insel Helgoland. Hier kam es am 23. Februar 1967 bei orkanartigem Sturm zu einem schweren Unglück. "Adolph Bermpohl" war ausgelaufen, um einen in Seenot geratenen holländischen Fischkutter zur Hilfe zu eilen. Drei Fischer konnten dabei auf das Tochterboot übernommen werden. Über Funk meldete die Besatzung das Ende der Rettungsmaßnahme, und daß man nach Helgoland zurückfahren würde. Den Hafen erreichte das Schiff jedoch nicht.

Am nächsten Morgen wurde "Adolph Bermpohl" schwer beschädigt, aber voll schwimmfähig und mit laufenden Motoren auf ebenen Kiel treibend, in der Nordsee gefunden. Von der Besatzung fehlte jede Spur. Einige Zeit später wurde auch das Tochterboot kieloben treibend gefunden.


"Adolph Bermpohl" nach der Katastrophe
Die tatsächlichen Geschehnisse lassen sich nur rekonstruieren. Vermutlich wollte man versuchen, die Fischer, aufgrund ihres schlechten Zustandes, vom Tochterboot an den Rettungskreuzer zu übergeben. Als das Tochterboot dann längsseits ging, muß eine gewältige See über dem Rettungskreuzer gegangen sein. Vermutlich wurde dabei das Tochterboot vom Rettungskreuzer unter Wasser gedrückt. Ölspuren im Maschinenraum zeugen dabei von einer Schlagseite von 90 Grad. Der Rettungskreuzer selbst wurde schwer beschädigt. Insbesondere an den Aufbauten und dem oberen Steuerstand waren schwere Schäden zu verzeichnen. Der Mast war nach hinten weggeknickt.

Nach dieser Katastrophe wurde der obere offene Steuerstand mit einer Überdachung versehen. Diese Maßnahme hat sich jedoch im Einsatz nicht bewährt, so daß sie keine Verwendung bei weiteren Neubauten fand. Der Grund war u.a. die eingeschränkte Rundumsicht. Vom oberen Steuerstand wurde das Schiff nur im unmittelbaren Einsatzgebiet gesteuert. Ein weiterer wettergeschützter Steuerstand befindet sich im vorderen Teil des Deckshauses. Inszwischen wurden jedoch einige Neu- und Umbauten mit geschlossenem oberen Fahrstand gebaut. Diese sind in erster Linie für den Einsatz bei Schiffsbränden gedacht, um auch bei starker Rauchentwicklung möglichst nah an das havarierte Schiff zu gelangen. Dabei wird in diesem Teil des Rettungskreuzers ein leichter Überdruck erzeugt, um das Eindringen von giftigen Dämpfen zu verhindern.

Mitte der achtziger Jahre wurden die Tochterboote zu Selbstaufrichtern umgebaut. Dazu wurden Teile des Vordecks nach oben gezogen und der Aufbau nach achtern verlängert und geschlossen. Dadurch wurde der Auftrieb soweit erhöht, daß sich das Boot aus jeder Lage (auch kieloben) selbständig wieder aufrichten kann. Eine Eigenschaft, die mittlerweile für jeden Rettungskreuzer und jedes Tochterboot gilt.

Mittlerweile ist keines der drei oben genannten Schiffe mehr im Einsatz. Die "Adolph Bermpohl" wurde 1989 an den finnischen Rettungsdienst verkauft und auf den Namen "Russarö" umgetauft. Dort dient es in erster Linie als Ausbildungsschiff. Ob es dort immer noch im Einsatz ist, ist mir nicht bekannt. Die "Georg Breusing" liegt als Museumsschiff im Hafen vom Emden und die "Arwed Emminghaus" wurde meines Wissens nach, ebenfalls an einen ausländischen Rettungsdienst verkauft. Die Schiffe wurden durch Neubauten der 27m-Klasse (Typ "Berlin") ersetzt.

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   Das Modell

aberm02.jpg Technische Daten des Modells

Länge: 121,5 cm   Breite: 25,4 cm   Tiefgang: 7,2 cm
Verdrängung: 6,8 kg

Antrieb: 3 Elektromotoren mit einer Leistung von ca. 160 Watt,  Geschwindigkeit ca. 8-9 km/h

Tochterboot:
Länge: 40,1 cm   Breite: 10,2 cm   Tiefgang: 3,5 cm
Verdrängung: 500 g

Antriebsleistung 12 Watt, Geschwindigkeit: 4 km/h

Das Modell der "Adolph Bermpohl" wurde aus einem Baukasten der Firma Graupner im Maßstab 1:22 erstellt, und zeigt in etwa den Zustand des Originals zum Zeitpunkt der Indienststellung. Das Modell ist seit 1983 im "Einsatz" und hat in dieser Zeit - wie auch das Original -  immer wieder einige Veränderungen erfahren, wenn auch in anderer Form und Reihenfolge. So hatte das Modell ursprünglich auch die Steuerstandüberdachung, welche 1993 entfernt wurde. Damit ist nun der Blick auf den oberen Steuerstand frei, welcher bei dieser Maßnahme weiter verfeinert wurde. Auch die Technik wurde immer wieder verändert und verbessert. So wurde immer wieder mit anderen Motoren und Propellern experimentiert, um einerseits ein schnelles aber auch energiesparendes Modell zu haben. Die günstige Form des Rumpfes zeigt sich auch im Modell, so daß bereits bei geringen Motordrehzahlen gute Geschwindigkeiten erreicht werden.

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  Derzeit werden als Außenmotoren zwei Power 600/8,4 V eingesetzt, welche aber nur mit 6 Volt versorgt werden. Als Mittelmotor tut nach wie vor der gute alte Decaperm (6 Volt) seine Dienste. Mit einem Bleiakku 6 Volt/10 Ah erreicht das Modell Fahrzeiten von ca. 40 Minuten, die sich durch den Einsatz des Tochterbootes ohne weiteres auf eineinhalb Stunden ausdehnen lassen.

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Auch der Tochterbootaufzug wurde vor einigen Jahren komplett neu gebaut. Das Prinzip entspricht aber der Baukastenausführung. Jedoch wird das Tochterboot nicht am vorderen Doppelkreuzpoller gefangen, sondern mit einem beweglichen Haken am Bug, ähnlich wie beim Original. Nach dem Öffnen der Heckklappe rutscht das Tochterboot nur durch sein Eigengewicht aus der Heckwanne.
 

aberm08.jpgAls weitere Sonderfunktionen verfügt das Modell über einen drehbaren Radarschirm und ein Nebelhorn. Der Kleinstgetriebemotor für das Radar wurde direkt im Mastkorb eingebaut und fällt als solcher nur bei näherem Hinsehen auf. Der Lautsprecher des Nebelhornes befindet sich unter der Gräting des oberen Steuerstandes, welcher wie eine Lautsprecherbox den Ton verstärkt, und somit bei nur 6 Volt ein kräftiges Signal abgibt.
 
 
 
 
 
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Das Netz über dem Vordeck ist ein Sprungnetz. Der Einsatz diese Netzes war sehr abenteuerlich und auch sehr gefährlich. Dabei wurde der Rettungskreuzer ganz dicht an das in Seenot befindliche Schiff heranmanövriert, damit sich die Menschen, die sich noch an Bord befanden, durch einen beherzten Sprung, retten konnten. Diese Methode stammt noch aus einer Zeit, als die Rettungsmittel nicht so modern waren, und die Rettungskreuzer noch keine Tochterboote hatten.

Während der letzten Umbauarbeiten, wurden auch Teile der Reling und die Schleppbügel über der Tochterbootwanne überarbeitet. So wurde der hintere Schleppbügel über dem Handlauf der Reling abgeschnitten und ca. 15 mm weiter vorne wieder eingesetzt. Damit wird nun verhindert, daß der Mast des Tochterbootes am Schleppbügel anschlägt. Diese Maßnahme scheint auch beim Original durchgeführt worden zu sein, zumindest sprechen die Fotos dafür. Die Schleppbügel dienen im übrigen dazu, das Tochterboot vor Beschädigungen durch die Schlepptrosse zu bewahren, wenn einmal ein havariertes Schiff "auf den Haken" genommen wird. Der Mast des Tochterbootes wird dabei nach hinten geklappt.
 

aberm07.jpgDie Verkleidung an der Reling war auch auf dem Original einige Jahre angebracht. Sie sollte das Überkommen von Wasser so weit wie möglich verhindern. Jedoch hat sich diese Maßnahme nicht bewährt, da sie auch den Abfluß des Wassers behinderte. Inzwischen wird auf den modernen Rettungskreuzern ein Netz gespannt, um die Besatzung davor zu schützen über Bord zu gehen. Als Material verwendete ich die Rückseite eines Plastikschnellhefters in der entsprechenden Farbe. Das Material ist leicht genarbt und sieht daher aus wie Tuch.

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Und hier ein kurzes Video der Tochterbootaufnahme
(leider war zu dem Zeitpunkt der Mast der Vegesack defekt)