Was ist Schiffsmodellbau?


Inhalt:

Was ist Schiffsmodellbau ?
Schiffsmodelle als Zeugen der Geschichte
Schiffsmodellbau in der technischen Entwicklung
Schiffsmodellbau heute
Das Vorurteil: Modellbau ist zu teuer!


Was ist Schiffsmodellbau ?

Schiffe sind die ältesten Fahrzeuge der Menschheit. Mit ihnen wurde die Welt entdeckt. Namen wie z.B. Amerigo Vespucci, Vasco da Gama, Cristoph Columbus, James Cook sind unverrückbar mit der Seefahrt verbunden. Große Nationen wie Spanien, Portugal und nicht zuletzt Großbritannien, begründeten ihre Macht auf ihren Seestreitkräften. Und dann waren da noch die polynesischen Seefahrer oder die Wikinger, die sich nur anhand von Meeresströmungen oder den Sternen orientierten und mit ihren kleinen Booten die Weltmeere befuhren.
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Forschungsschiff  Calypso
Und dann gibt es die Namen berühmter Schiffe, die jeder schon einmal gehört hat. Als Opfer eines Eisbergs hat die "Titanic" Geschichte geschrieben - nicht zuletzt auch Filmgeschichte. Die schicksalhafte Fahrt der "Bounty", welche in einer Meuterei endete. Oder Jaques Cousteaus´s "Calypso", der uns mit diesem Schiff das Leben in den Ozeanen näherbrachte.

Man kann heute nicht mehr sagen, wann ein Mensch zum ersten Mal ein paar Baumstämme zu einem Floß zusammengebunden hat, um damit zu neuen Ufern aufzubrechen. Es vergingen danach viele tausend Jahre, bis der Mensch Schiffe baute, mit denen er auf den offenen Ozean hinausfuhr.

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Bounty
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Schiffsmodelle als Zeugen der Geschichte
Schiffsmodelle gehören daher zur ältesten Form des Modellbaus. So wurden u.a. in Grabbeigaben der alten Ägypter Schiffsmodelle gefunden. Zeitgenössische Modelle dienen den Historikern dazu, den Schiffsbau der vergangenen Epochen besser zu verstehen, jedoch sind diese Modelle sehr selten. Meist stellen sie auch kein bestimmtes Schiff dar, sondern nur einen Schiffstyp. Eine besondere Stellung unter den zeitgenössischen Schiffsmodellen nehmen die sogenannten Knochenschiffe ein. Diese Modelle wurden während der napoleonischen Kriege von Kriegsgefangenen, unter schlechtesten Bedingungen, aus Speiseresten (überwiegend Knochen - daher der Name) gebaut. Einige solcher Modelle sind z.B. im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven zu sehen.
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Osebergschiff - Wikingerschiff
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Schiffsmodellbau in der technischen Entwicklung
Auch im modernen Schiffbau sind Modelle von enormer Bedeutung. Mit maßstäblich verkleinerten Schiffsrümpfen wird in einem Strömungskanal das Seegangsverhalten ebenso überprüft, wie auch die Wirtschaftlichkeit oder das Verhalten bei Eisgang. Letzteres ist natürlich bei der Entwicklung von Eisbrechern von großem Interesse. Mit diesem Einsatz des Modellbaus kann kostengünstig die optimale Rumpfform herausgefunden werden.

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Schiffsmodellbau heute
Neben diesen zahlreichen Facetten, hat der Modellbau insbesondere in der Freizeitindustrie einen großen Stellenwert. Zahlreiche Modellbaufirmen bieten Baukästen und Konstruktionspläne für den Schiffsmodellbau an. Auf dem großen Markt des Modellbaus stellt der Schiffsmodellbau jedoch einen relativ kleinen Anteil, insbesondere im Vergleich mit den Modellbahnern oder den Modellfliegern. Und die Erfolge der deutschen Rennfahrer in der Formel 1 haben sich auch bei den RC-Car-Fahrern niedergeschlagen. Zahlreiche Wettbewerbe werden hier ausgetragen.

Im Vergleich der unterschiedlichen Sparten zeigt sich, daß der Zeitaufwand für den Bau eines Schiffsmodells in der Regel deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als der Bau eines Flug- oder Automodells - natürlich gibt es wie immer Ausnahmen. Nicht selten vergehen einige Jahre, bis ein Schiffsmodell mit seinen zahlreichen Details fertig gestellt wird.

Innerhalb des Schiffsmodellbaus gibt es natürlich weitere Unterteilungen. Und auch hier gibt es verschiedene Wettbewerbsklassen, auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte. Grob kann man Standmodelle und ferngesteuerte Modell unterscheiden. Standmodelle - auch Teilmodelle - sind nach Originalunterlagen eines bestimmten Schiffes gebaut. Bei den ferngesteuerten Modellen unterscheidet man dann noch einmal in reine Zweckmodelle (z.B. Renn- und Segelboote der Wettbewerbsklassen) und vorbildgetreue oder vorbildähnliche Funktionsmodelle. Hier gilt im Prinzip das gleiche wie bei den Standmodellen.

Das verwendete Material ist sehr unterschiedlich. Der klassische Rumpfbau erfolgt nach wie vor in Holzbauweise. In den letzten Jahren haben aber Kunststoffe diese Rolle übernommen. Sind sie doch beständiger gegen Wasser.

Eine besondere Rolle spielen die Karton- oder Papiermodelle. Hier wird, wie der Name schon sagt, Karton und/oder Papier zur Erstellung des Modells verwendet. Was sich zunächst nach einfacher und billiger Bastelei anhört, sollte nicht unterschätzt werden. Von Profis gebaute Kartonmodelle erreichen einen erstaunlichen Detailierungsgrad. Außerdem muß zu jeder Zeit sauber gebaut werden. Fehler können nicht so ohne weiteres mit Spachtel und Farbe überdeckt werden. Wird der Karton dann noch wasserfest gemacht, so kann man diese Modelle sogar ferngesteuert betreiben.

Die Fernsteuerung ermöglicht es, das Modell mit verschiedenen Funktionen auszurüsten. Als Grundfunktion gilt die Steuerung eines oder mehrerer Antriebsmotoren und des Ruders. Dazu kommen oftmals zahlreiche Sonderfunktionen wie z.B. Löschkanonen, Ankerwinde, Kranfunktionen, Ausssetzen von Rettungsbooten, Beleuchtung, drehbarer Radarschirm, akustische Funktionen. Letztendlich bietet die Fernsteuerung die Möglichkeit das vollendete Modell seinem Element zu übergeben und damit auf "große Fahrt" zu gehen.

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Hochseeschlepper
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Das Vorurteil: Modellbau ist zu teuer!
Alles in allem stellt der Schiffsmodellbau eine sinnvolle und interessante Freizeitbeschäftigung dar. Im Zeitalter des Computers oder des Gameboys ist es aber zunehmend schwieriger die Jugend dafür zu begeistern. Oft bekommt man zu hören, daß es zu teuer sei. Vergleicht man aber die Kosten eines durchschnittlich aufwendigen Schiffsmodells aus einem Baukasten, mit einem PC und der notwendigen Software (insbesondere Spielesoftware), so wird man sehr schnell erkennen, daß der PC ein Faß ohne Boden sein kann, will man auf dem laufenden bleiben.

Die untere Kostengrenze bei der Anschaffung eines Schiffsmodells liegt mit allem Zubehör bei  ca. 300,- bis 400,- Euro. Nach oben ist die Grenze im Prinzip offen. Die Schiffe die ich gebaut habe liegen teilweise deutlich darüber - etwa bei 300 - 1500,- Euro.  Das hört sich natürlich gewaltig an. Dazu muß jedoch gesagt werden, daß sich die Kosten meist auf mehrere Jahre verteilen. Und wenn ich dann rechne, daß eines der Modelle bereits 28 Jahre alt - und immer noch fahrbereit - ist, dann würde das bedeuten, daß mich dieses Schiff pro Jahr ca. 25,- Euro gekostet hat. Ich denke daher, daß das größte Problem im Faktor Zeit liegt. Die Jugendlichen sind immer weniger bereit so viel Zeit und Aufwand zu investieren. Ein Computerspiel ist nunmal in wenigen Minuten installiert. Ein Schiffsmodell benötigt bis zur Fertigstellung deutlich mehr Zeit.

Aber zu all den Kosten kommt natürlich auch der Spaß den dieses Hobby bereitet. Ist das Modell nach langer Bauzeit endlich fertig, kommt der große und aufregende Moment der Jungfernfahrt. Die Belohnung für die langen Stunden auf der Modellwerft. Und dieser Moment, wenn das Schiff stolz seine Kreise auf dem Wasser zieht, entschädigt für die Arbeit. Hinzu kommt ein gewisser Stolz, etwas mit seinen eigenen Händen geschaffen zu haben und viele weitere Stunden in der Natur an einem See. Einfach ein schönes Hobby.


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Santa Maria

Alle auf dieser Seite gezeigten Schiffsmodelle sind Fotos aus dem aktuellen Katalog von Billing-Boats

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