Segelyacht
"Pinnacle" alias
"Micro Magic" und
"Avanti" alias "racing Micro Magic"



Technische Daten:

Länge:               530 mm
Breite:               180 mm 
Masthöhe:        760 mm
Gesamthöhe:    980 mm 
Segelfläche:    1450 cm² 
Verdrängung:   890 g

Technische Daten:

Länge:                 530 mm           
Breite:                  180 mm 
Masthöhe:            760 mm
Gesamthöhe:        980 mm 
Segelfläche:        1450 cm² 
Verdrängung:        850 g

 

Die "Pinnacle"

Im Frühjahr 2002 habe ich in der Zeitschrift "Schiffsmodell" immer wieder Berichte über die Micro-Magic gelesen. Neben den Tuningmaßnahmen wurde unter anderem auch erwähnt, dass es mittlerweile eine kleine Szene gibt, die mit diesem Boot Regatten segelt. Durch Zufall bin ich auf die Homepage dieser Gruppe gestoßen und stellte fest, dass ganz in der Nähe meines damaligen Wohnortes gesegelt wird. So nahm ich also Kontakt zu den Micro-Magic-Seglern auf und kaufte mir kurzentschlossen den Baukasten.



Der Bau

Hierzu gibt es nicht so viel zu sagen, da sich der Bauaufwand in einem überschaubaren Rahmen hält. Gemütliche Bastelabende von 2-3 Stunden, und das Modell ist innerhalb von 2 Wochen fahrbereit. Das aufwendigste Teil ist die Mast- und Kieltasche mit dem RC-Brettchen. Ein kleines Problem war die Verklebung von Rumpf und Deck, da das Deck ein klein wenig zu kurz war. Ich habe es daher am Heck bündig verklebt und von innen mit einem Stück ABS hinterfüttert. Verklebt habe ich das Deck im Bereich von Bug, Heck, Ruderkoker und Mast-/Kieltasche mit Stabilit-Express. Nach der Trocknung des Klebstoffs, habe ich Rumpf und Deck an den Seiten mit Sekundenkleber verklebt. Das ging insgesamt absolut problemlos und war auf Anhieb dicht.

In meinem Falle kam noch eine Lackierung hinzu, welche ich jedoch im Dezember 2003 entsprechend den Fotos überarbeitet habe. Das Unterwasserschiff mit Ruder und Kielschwert ist ultramarinblau, Überwasserschiff, Deck, Kajüte und Kielbombe sind rapsgelb. Der Antirutschbelag besteht aus blauer DC-Fix-Folie, die Buchstaben des Namenszuges sowie die "Bugzier" sind aus blauer Plotterfolie. 

Diesmal bin ich bei der Lackierung auch neue Wege gegangen, und habe den Rumpf aus der Sprühdose lackiert. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Außerdem geht es wesentlich schneller. Das Unterwasserschiff war durch den Sprühnebel anfangs jedoch recht rauh. Ich habe sehr lange gezögert, bis ich mich getraut habe diese rauhe Oberfläche zunächst mit feinem Schleifpapier und anschließend mit einer speziellen Polierschleifpaste zu bearbeiten. Inzwischen ist das Unterwasserschiff absolut glatt.



Verbesserungsmöglichkeiten der "classic" Micro Magic

Nachdem das kleine Boot unermüdlich im Regattaeinsatz war habe ich, neben den optischen Veränderungen, auch einige technische Änderungen durchgeführt welche ich hier stichwortartig widergeben möchte:

Die wichtigste Änderung war der nachträgliche Einbau von kleineren RC-Komponenten und einem kleinen 600 mAH NiMH-Akku. Dadurch konnte ich das Gesamtgewicht um rund 150 Gramm reduzieren. Bei der Gelegenheit habe ich auch ein drittes Servo für die Fockspalttrimmung eingebaut. Dadurch lässt sich das Boot etwas besser auf unterschiedliche Windverhältnisse einstellen.

Weiterhin habe ich eine neue Niederholerkonstruktion angebracht. Sie besteht im wesentlichen aus einem Alu-Spannschloß (gibt es bei Conrad). Die eine Seite wurde dabei mit einem Aluröhrchen verlängert und direkt im ausgehöhlten Großbaum befestigt. Mit diesem Niederholer kann der Großbaum nun gezielt angehoben und die Verwindung des Großsegels besser eingestellt werden.
 


Segeln mit der Micro Magic

Das Boot ist ein ausgezeichneter Leichtwindsegler und setzt den kleinsten Windhauch bereits in beachtliche Geschwindigkeit um. In Böen luvt es allerdings auch sehr schnell an, so dass man das Boot mit großer Aufmerksamkeit segeln sollte. Es verträgt aber auch eine ganze Menge Wind, wie es Thomas Dreyer im Herbst 2002 mit seinem H²O-Floh bewiesen hat.

Das schönste an dem Boot ist aber der unkomplizierte Transport. Es ist praktisch immer betriebsbereit. Akku rein, das ganze Boot wie es ist in den Kofferraum und ab an den See. Kein langwieriges Auf- und Abtakeln. Sender und Empfänger einschalten und ab geht´s.
 

Kurz: "MM segeln macht Spaß!"






Die "Avanti"

Das Modell wurde von mir strikt nach Bauanleitung gebaut. Lediglich in der Optik habe ich mich für ein eigenes Design entschieden, um sie ein wenig aus der Masse herauszuheben.

Bevor ich nun auf den Bau genauer eingehe, hier eine kurze Auflistung der wichtigsten Änderungen gegenüber der "classic" Micro Magic:
- neues Design von Rumpf und Deck
- neues Design der Haube
- Kiel und Ruder in der Fläche reduziert
- Längere und schlankere Bleibombe für den Kiel
- Komplett neues Kohlefaserrigg
- Komplett neue Beschlagteile für das Rigg
- Neue Segel aus leichten Icarex-Spinnackertuch
- Komplette Überarbeitung des RC-Einbaus.



Der Bausatz

Bereits beim Karton zeigen sich die Änderungen. Er ist deutlich länger geworden! Was darauf zurückzuführen ist, dass die Segel nicht mehr gerollt beigelegt sind, sondern flach zwischen zwei Pappdeckeln sauber verpackt sind, und der Kohlefasermast liegt diagonal in einem Stück im Karton. Alles andere wirkt sehr vertraut, Rumpf und Deck mit den neuen Formen, der ebenfalls neu gestaltete Aufbau, Holz für den Innenausbau und den Ständer, sowie jede Menge Kleinmaterial. Bis auf den Klebstoff, Farbe und die RC-Einbauteile ist der Bausatz komplett ausgestattet.
 



Der Rumpf

... zeigt auffällige Veränderungen mit einem steileren Steven, sowie einem schräg einfallenden Heckspiegel und erinnert damit sehr an moderne Regattaboote. Dadurch wirkt das Modell deutlich moderner und schnittiger. Durch den steileren Steven hat es außerdem eine um ca. 15 mm längere Wasserlinie. Ansonsten ist jedoch alles beim alten geblieben, also Gesamtlänge und Breite sind identisch zur Standard-MM. Der Rumpf ist bereits konturgefräst und muß lediglich im Heckbereich angepasst werden. Der Steven ist für ein Tiefziehteil relativ scharf geschnitten, ohne dass dies zu Lasten der Materialstärke geht (!). Graupner hat hier zwar einen Spant für den Steven zur Verstärkung vorgesehen um dieses Problem gegebenenfalls zu minimieren. In meinem Fall war die Materialstärke jedoch ausreichend, so dass ich darauf verzichtet habe.

Begonnen wird mit der Kiel- und Masttasche, welche nahezu identisch ist mit dem Bauteil der Standard-MM, es fehlt lediglich die angeformte Auflage für das RC-Brettchen. Diese wird separat angeklebt, was den Vorteil hat, dass sie abhängig vom eingesetzten Servotyp für die Segelverstellung eingebaut werden kann. Schwerpunkt- und Gewichtsoptimierung werden also groß geschrieben. Das Holz für den RC-Einbau ist übrigens von größerer Festigkeit als bei der Standard-MM. Auch hier wieder eines der kleinen Details, die positiv auffallen. Weniger positiv ist jedoch, dass für die Montage der beiden Tiefziehhälften der Kiel-/Maststasche nach wie vor gutes Augenmaß erforderlich ist. Schön wäre es, wenn die Teile, ähnlich wie Rumpf und Deck, ineinander schnappen würden, so dass Baufehler minimiert würden.


Das Deck

... wurde von Graupner auch komplett überarbeitet. Die kleine Luke auf dem Vordeck und die Fußleisten, wie sie noch auf dem Deck der Standard-MM vorzufinden sind, sind vollständig verschwunden. Damit ist das Deck vollkommen glatt, was insbesondere den Modellbauern entgegen kommt, die das Deck ihres Modells ausschneiden und mit einer Folien versehen, um noch mehr Gewicht zu sparen. Mir persönlich erscheint das Deck jetzt etwas zu „nackt“, aber das ist Geschmackssache.

Unter Deck hat sich auch eine Menge verändert. Ein zusätzlicher Spant (Teil Nr. 19) im vorderen Bereich der Decksöffnung sorgt für eine bessere Abstützung des Decks und damit für einen stabileren Süllrand. Für die korrekte Positionierung beim Einkleben des Spantes empfiehlt es sich die Kiel-/Masttasche mit Klebeband unter Deck provisorisch zu fixieren.


Ist die Kiel- und Masttasche in den Rumpf eingeklebt, sowie alle Spanten und Verstärkungen aus Holz unter Deck eingeklebt, werden Rumpf und Deck miteinander verklebt. Ich habe mich dabei an die Empfehlung von Graupner gehalten und die Verklebung mit UHU-Allplast vorgenommen. Lediglich im Bereich der Kiel-/Masttasche und am Bug habe ich Stabilit-Express verwendet. Der Heckbereich wird dagegen zum Schluß mit Sekundenkleber verklebt. Das hat alles sehr gut geklappt, und es gab anfangs nur eine undichte Stelle im vorderen Bereich, die jedoch mit ein paar Tropfen Sekundenkleber schnell abgedichtet war. Zum Schluß wird der Rumpf im Heckbereich bündig an das Deck geschliffen. Dadurch erhält meine eine absolut scharfe Abrisskante.

Leider passten die Bohrungen für den Ruderkoker überhaupt nicht, das Ruder stand vollkommen schief. Daher mußten die Bohrungen etwas angepasst werden. Für vorgefräste Teile, die eine gewisse Genauigkeit suggerieren, ist das sehr ärgerlich.



Der Kiel

... wurde nicht nur in der Fläche reduziert, sondern ist so gestaltet, dass er in Längsrichtung verschiebbar ist. Dazu liegen entsprechende Adapterstücke bei, um den Kiel in drei verschiedenen Positionen zu fixieren. Dadurch kann das Boot optimal auf die unterschiedlichsten Verhältnisse eingestellt werden und die rMM dürfte wohl das erste serienmäßige Baukastenboot mit einer derartigen Trimmmöglichkeit sein.

Neu ist auch eine spezielle Anformung am unteren Ende des Kielschwertes, die sehr exakt in die Vertiefung der Bleibombe passt. Baufehler, dass z.B. die Bleibombe nicht exakt mittig auf dem Kiel sitzt, werden dadurch weitestgehend vermieden. Für die Längsausrichtung der Bleibombe weist die Bauanleitung darauf hin, diese anhand der Wasserlinie auszurichten. Dummerweise ist diese im Bauplan nicht eingezeichnet. Die Ausrichtung anhand des im Plan gezeichneten Kiels funktioniert aber ausreichend gut.

Die Bleibombe wurde in ihrer Ausführung ebenfalls überarbeitet. Sie hat zwar das gleiche Gewicht, wurde aber mehr in die Länge gezogen und dafür im Durchmesser reduziert. Sie ist dadurch deutlich schlanker geworden, was optisch ein deutlicher Gewinn ist. Auf dem Foto ist zum Vergleich eine Bleibombe der Standart-MM mit abgebildet.

Wie bereits im Baukasten der Standard-MM liegen zu Verkleidung der Bleibombe zwei Tiefziehschalen bei, die die Schleif- und Spachtelarbeit minimieren sollen. Ich habe mich dennoch für die klassische Methode entschieden und die Bombe mit Spachtel überzogen, mehrmals geschliffen, grundiert und lackiert. Dabei scheint die „gefühlte“ Bastelzeit in etwa so lange zu dauern wie für das gesamte Boot.

Ist der Kiel soweit fertig gestellt, kann er mit Hilfe der Adapterstücke in die Kieltasche eingesetzt werden. Dabei zeigte sich bei mir am hinteren Ende ein Spalt von ca. 1 Millimeter. Ob dieser Spalt darauf zurückzuführen ist, dass ich das Schwert und die Adapterstücke etwas beigeschliffen habe, kann ich nicht sicher sagen. Aber das Problem ist mit einem Streifen ABS, welchen ich innen in die Kieltasche geklebt habe, schnell gelöst.

Der Übergang Rumpf - Kiel gefiel mir auch nicht so ganz. Es bleibt eine kleine Vertiefung rund um das Schwert, dort wo es im Rumpf verschwindet. Ich habe die Kanten der Masttasche daher mit dünnem ABS aufgefüttert und dann schön scharfkantig geschliffen. Sicher keine notwendige Maßnahme, aber optisch einfach schöner.


RC-Einbau

Anschließend wird die Fernsteuerung in den Rumpf eingebaut. Wie bereits erwähnt wurde die Anordnung der einzelnen RC-Komponenten komplett überarbeitet. Die Halterung für das Ruderservo befindet sich nun unmittelbar vor dem Plichtspant. Das Brettchen für die Aufnahme des Segelverstell- und Focktrimmservos liegt übrigens zweimal dem Baukasten bei. Eine Version ist für ein normales Standardservo, die zweite ist für ein Servo kleinerer Bauart gedacht, so dass man hier den Ausschnitt selbst herstellen muß. Bei mir kam ein Servo von Conrad mit 35 Ncm bei 4,8 Volt zum Einsatz, welches auch schon in meiner alten MM zuverlässig seinen Dienst versieht.

An jenem Servo habe ich auch den Empfänger mit Hilfe von Klettband befestigt, und nicht wie von Graupner vorgesehen auf dem Rumpfboden. Da so ein Segelboot,  konstruktionsbedingt durch die Schotdurchführungen im Deck, nie hundertprozentig dicht ist, ist er etwas weiter oben im Rumpf besser aufgehoben.

Das Ruder wird mit Hilfe zweier Seilzüge angesteuert. Das sorgt für eine absolut spielfreie Anlenkung. Dadurch entfällt auch der Gummibalg zur Abdichtung des Rudergestänges, wie er bei der Standard-MM eingesetzt wurde.

Die Schotführung wurde deutlich vereinfacht und die Segel werden nun mit einem Doppelarm angesteuert. Dieser ist mit zwei Kunststoffumlenkblöcken ausgerüstet, die sehr leichtgängig arbeiten und gewichtsmässig deutliche Vorteile gegenüber teuren Kugellagerblöcken haben. Jedoch sollte man den Umlenkblock für die Fockschot nicht im äußersten Loch des Servoarmes befestigen, sondern zwei Löcher weiter innen, sonst ist der Schotweg zu groß.

Standardmäßig ist nun auch ein Focktrimmservo vorgesehen, mit dem der Fockspalt auch während des Segelns verändert werden kann. Mann kann jedoch auch darauf verzichten und das Servo ggf. später einbauen. Für den Fall wird das Ende der Fockschot einfach in einer der Bohrungen für das Focktrimmservo festgeknotet.


Das Rigg

Beim Bau des Riggs kommt dann echte Freude auf. Mast und Bäume sind aus sehr dünnwandigem Kohlefaserrohr und mit den neuen Beschlagteilen ist alles in kurzer Zeit problemlos montiert. Es sind absolut keine Bohrungen notwendig, es wird alles nur geschraubt, gesteckt oder geklebt. Dabei besteht die Möglichkeit den Großbaum in zwei Varianten anzubringen, jedoch geht die Bauanleitung darauf leider nicht ein.

So kann man den Baum wie im Plan dargestellt nach achtern ansteigend lagern und das Spannschloß arbeitet als Niederdrücker. Das sieht sehr nach High-Tech aus, bringt aber keinen echten Nutzen, insbesondere da das Unterliek des Großsegels gerade geschnitten ist. Diese Variante hat sogar den Nachteil, dass bei einer Profilverstellung das Großsegels, der Baum entsprechend nachgeführt werden muß, da sonst das Achterliek je nachdem lose kommt oder zu straff wird. Ich habe mich daher für die herkömmliche Aufhängung des Großbaums entschieden und nutze das Spannschloß als Niederhalter. Der Umbau von einer Variante auf die andere ist aber mit wenigen Handgriffen getan.

Der Großbaum bzw. das Großbaumlager wird übrigens nicht direkt am Mast befestigt, sondern an einer sogenannten Masthülse, ein Alurohr, welches in der Masttasche steckt und über das der Großbaumbeschlag geschoben wird. Leider ist in der Anleitung und der Stückliste ein zu kurzes Maß für die Masthülse angegeben. Statt der vorgegebenen 115mm muß diese 120 mm lang sein. Diese Konstruktion mit der Masthülse hat den Vorteil, dass man die Segel leichter wechseln kann und zwar kann man das Großsegel einfach mitsamt des Mastes auswechseln. Der Mastfuß und der Großbaum verbleiben auf dem Boot. Man muß dann nur den Vorliekspanner und das Großsegel an der achteren Ecke lösen, sowie die Wanten und Stage. Das ist bei einer Regatta deutlich schneller zu bewerkstelligen, als das fummelige Einhängen der Mastringe oder ähnliche Befestigungsmethoden.

Ein weiteres kleines, aber sehr feines Detail, sind zwei kleine Zapfen unten am Großbaumlager, die in entsprechende Vertiefungen der Mastfußplatte greifen und dafür sorgen, dass das Großbaumlager immer exakt zur Bootsmitte ausgerichtet ist. Vorausgesetzt natürlich, die Mastfußplatte ist exakt ausgerichtet.

Ein sehr schönes Detail sind auch die Befestigungspunkte der Wanten und Stage auf Deck. Kamen bei der Standard-MM noch einfache und billig anmutende Schraubösen zum Einsatz, so sind es bei der rMM nun richtige Augschrauben. Dazu werden die dem Baukasten beiliegenden Spannschlösser zerlegt und die Augschraube mit Rechtsgewinde entnommen. Diese werden unter Deck  mit Hilfe von Einpressmuttern gesichert. Eine wirklich feine Sache!

An den Einstellvorrichtungen der Fock  zeigte sich jedoch ein Fehler in der Bauanleitung bzw. im Plan. So ist im Plan ein zusätzlicher Klemmschieber am oberen Ende des Fockstags eingezeichnet. Das Fockstag wird jedoch bereits durch eine Spannvorrichtung auf Deck gespannt, so dass mir dieser unsinnig erschien und ich ihn weggelassen habe. Es zeigte sich aber, dass der obere Klemmschieber stattdessen in den Liekstrecker der Fock eingebaut werden sollte, denn je nach Mastneigung ergibt sich ggf. ein leicht geänderter Abstand des Fockbaumes zum Deck und damit auch zur Fock, der wieder ausgeglichen werden sollte, indem man die Fock nachführt.
 


Die Segel

... sind ein echter Leckerbissen! Es wurde sehr leichtes Icarex-Spinnackertuch verwendet, welches in der MM-Szene mittlerweile zum Standard zählt. Dieses Material ist sehr dünn, die Segel stehen sehr gut in ihrem Profil und schlagen auch bei sehr wenig Wind gut um. Außerdem ist es beidseitig imprägniert und dadurch absolut wasserfest. Durch Wassereinwirkung verzogene Segel gehören damit der Vergangenheit an.

Da die Segel sauber zwischen zwei Pappdeckeln dem Baukasten beiliegen, ist keinerlei Rolltendenz vorhanden. Sämtliche Verstärkungen sind bereits aufgebracht (!). Es müssen lediglich ein paar Löcher mit der heissen Nadel in die Ecken und für die Segelringe eingebracht werden, sowie die Segellatten, welche aus dünnen CFK-Streifen (!!) bestehen und auf der Rückseite bereits mit einem Streifen Doppelklebeband versehen sind. Hier ist jedoch ein Fehler im Plan. Alle drei Segellatten sind hier mit 70 mm Länge angegeben. Man sollte jedoch die obere nur 50 mm lang machen, da sonst das Profil zu flach gedrückt wird. Im Plan sind die Segel übrigens im Maßstab 2:1 vollständig gezeichnet. Man kann diese Zeichnung bei entsprechender Vergrößerung sehr gut als Vorlage für weitere Segel verwenden. Damit die Segel nicht ganz so nackt aussehen, habe ich mit einem wasserfesten Filzstift Segelbahnen aufgemalt, sowie das MM-Logo und meine Segelnummer.

Anschließend können die Segel angeschlagen werden. Dazu sind neben den altbekannten Segelringen neuartige Klemmwinkel für die Bäume, wie man sie schon von anderen Graupner-Booten kennt, dem Bausatz beigelegt. Dadurch erhält man eine saubere Befestigung die auch optimal justierbar ist. Andererseits muß man sagen, dass durch die bisherige Befestigung mit den Gummiringen die Einstellung des Segelprofils deutlich schneller ging, da man kein Werkzeug brauchte.

Zum Schluß werden die Schoten angebracht. Diese werden nur mit speziellen Befestigungsklippsen an den Bäumen befestigt. Um das Rigg vom Boot abnehmbar zu gestalten, sollte man sich jedoch nicht an die Bauanleitung halten und die Schoten an den Klippsen anknoten, sondern diese einfach nur mit den Klipsen festklemmen. Ein Knoten am Ende der Schot verhindert, dass sie rausrutscht. Durch Verschieben der Klippse kann man dann auch die Schoten optimal zueinander einstellen.



Das Finish

Bevor es dann zur ersten Probefahrt geht, wollte ich dem Boot aber noch ein ansprechendes Finish verpassen. Es liegen zwar recht ansprechende Abziehbilder dem Baukasten bei, aber um zu vermeiden, dass man bei einer Regatta x-mal das gleiche Boot sieht und man dann auf dem Wasser nicht mehr weiß welches man steuert, habe ich mich für eine eigene Farbgebung entschlossen, wobei ich das Boot gleichzeitig eine wenig vorbildähnlicher  gestalten wollte. Eine lackierung hat übrigens auch den Vorteil, dass sie den ABS-Kunststoff vor dem Vergilben und Verspröden schützt.

Aus Ermangelung an einem geeigneten Raum drinnen bzw. aufgrund der ungeeigneten Witterungsverhältnisse draußen, schied das Spritzlackieren aus der Dose diesmal aus, so dass ich mich mit dem guten alten Farbpinsel an die Arbeit machte. Nachdem alles lackiert war, wurden kleine Einschlüsse, die sich beim Lackieren mit dem Pinsel leider nie ganz vermeiden lassen, mit Hilfe einer Polierschleifpaste vorsichtig herausgeschliffen und anschließend alles auf Hochglanz poliert. Das Ergebnis ist zum Schluß kaum von einer Spritzlackierung zu unterscheiden.

Anschließend war es notwendig einen Namen für das Boot zu finden, da der Namenszug mit dünner Selbstklebefolie (z.B. Ecotrim von Graupner) aufgebracht werden sollte. Bei der Namensgebung war dann der Gedanke maßgebend, dass dieser sich vielleicht auch auf die Geschwindigkeit des Bootes überträgt. Zum Schluß wurde auf Deck mit DC-Fix-Folie eine Anti-Rutsch-Belag imitiert, wie er bei fast all meinen Segelbooten anzufinden ist.


Segelverhalten

Wie segelt sie denn nun? Das ist sicher die vordringlichste Frage die den MM-Segler bewegt. Nun, um es vorweg zu nehmen: Wunder sollte man nicht erwarten. Das Boot wird nicht automatisch bei Regatten den alten Booten davonziehen, denn dazu sind die konstruktiven Änderungen am Rumpf zu gering. Der Skipper am Steuerknüppel der Fernsteuerung und dessen Verständnis für das Boot, werden nach wie vor der ausschlaggebende Faktor für ein gutes Abschneiden in einer Regatta sein. Umgekehrt kann man aber auch sagen, dass nun nicht automatisch alle alten MM´s vollkommen wertlos sind.

Beim ersten Segeltest montierte ich den Kiel zunächst in vorderster Position, stellte die Segel sauber ein und übergab das Boot seinem Element.

Auffällig ist, dass das Boot nicht mehr ganz so zappelig ist wie sein Vorgänger, was auf die kleinere Ruderfläche zurückzuführen ist, gleichzeitig hat das Boot nichts an Wendigkeit eingebüßt. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es einen besseren Geradeauslauf hat, insbesondere auf Vorwindkursen erscheint es mir deutlich weniger nervös.

Durch das Ausgleichsgewicht am vorderen Ende des Fockbaums öffnet die Fock auch bei wenig Wind zuverlässig, so dass ein Schmetterling problemlos möglich ist. In Böen luvt sie erwartungsgemäß an, je nach Stärke der Böe, schießt sie auch mal in die Sonne, ist aber jederzeit unkritisch.

Später setzte ich den Kiel in die hinterste Position. Erwartungsgemäß lief sie deutlich neutraler und war weniger luvgierig. Mit dem verschiebbaren Kiel hat man nun also, neben den Segeltrimm, eine weitere Möglichkeit, das Boot optimal auf die vorherrschenden Wetterbedingungen einstellen zu können.