Aufnahmemechanik für SRK-Tochterboote



Eine der interessantesten Funktionen an dem Modell eines Seenotrettungskreuzers, ist sicher das Aussetzen und Wiederaufnehmen des Tochterbootes. Dazu wurden schon viele Systeme von Modellbauern entwickelt. Hier möchte ich mein System vorstellen, welches schon seit 1983 ohne größere Probleme funktioniert. Es basiert auf der Mechanik von Graupner, welche von mir in einigen Details geändert wurde.

mech1.jpg

 
Grundsätzliches:

Die Mechanik basiert auf dem graupnerschen Prinzip, d.h. eine von einem Elektromotor angetriebene Gewindestange bewegt einen Schlitten nach vorne und hinten. An diesem Schlitten wird der Fangdraht zur Aufnahme des Tochterbootes befestigt. Die komplette Mechanik befindet sich direkt unter dem Aufbau und wird an zwei kleinen Spanten eingehängt und mit wenigen Handgriffen fixiert. Dies hat zwar den Nachteil, daß man bei Arbeiten im Rumpf, oder bei einem Akkuwechsel, die Mechanik jedes Mal ausbauen muß, dafür sind dann aber auch Reparaturarbeiten - die jedoch ausgenommen selten sind - einfacher durchzuführen. Ein weiterer Vorteil dieses Systems liegt darin, daß auf Endschalter und komplizierte Elektronik völlig verzichtet werden kann.

Als Antriebsmotor für die Mechanik verwende ich einen kleinen Mabuchi 280, welcher etwa 1:10 untersetzt ist. Er wird mit 6 Volt betrieben und mit Hilfe eines Miniaturfahrtreglers geregelt.
 

Die Änderungen:

1.) Die beiden kurzen Röhrchen am motorseitigen Ende, mit denen die Mechanik in den Rumpf eingehängt wird, wurden bis nach vorne verlängert und gleichzeitig als Führung für den Schlitten verwendet. Diese Parallelführung ergibt eine wesentlich stabilere Konstruktion. Außerdem zeigte sich, daß sich die Mutter auf der Gewindestange verhakte und sich die ganze Mechanik verbog. Dieser Effekt tritt dadurch nicht mehr auf. Am vorderen Ende habe ich eine Messingplatte angefertigt mit den Stellringen zur Befestigung und Lagerung der Gewindestange. Unter Deck muß das vordere Sperrholzbrettchen zum Einhängen der Mechanik nun natürlich zwei Bohrungen aufweisen.
 
 

2.) Das Tochterboot wird nicht am vorderen Doppelkreuzpoller gefangen, sondern mit Hilfe eines Fanghakens am Bug (wie beim Original). Der Haken befindet sich knapp oberhalb der Wasserlinie und wird nicht ferngesteuert betätigt. Er ist mit einer Art "Gabel" am Unterwasserschiff der "Vegesack" angebracht, so daß er beim Aufslippen mit dem Kiel praktisch eine Linie bildet. Mit Hilfe eines Gummifadens (elastischer Nähfaden) wird er wieder in seine Ausgangsstellung zurückgezogen.
 

skizze1.jpgskizze2.jpg
 

 
3.) Die Fangschlaufe muß ebenfalls verändert werden. Ein Anheben in hinterer Endposition ist nicht erforderlich, d.h. sie bleibt einfach an der Achterkante der Heckwanne liegen. Natürlich so, daß der Fanghaken des Tochterbootes sich auch einhaken kann.

 


Hier muß man die genaue Position durch probieren herausfinden. Diese ist abhängig von der Eintauchtiefe beider Boote. Außerdem zeigte sich bei mir, daß das Gewinde der Gewindestange am hinteren Ende, auf einer Länge von ca. 15mm, entfernt werden mußte, da der Fangdraht zu weit nach hinten fuhr.
 
 

Der Ablauf:

Nach dem Einhaken des Tochterbootes wird es ganz normal aufgeslippt. Die letzten 1-2 cm wird das Tochterboot durch die Heckklappe hochgeschoben. Dabei löst sich dann automatisch die Verbindung zur Fangschlaufe, diese fällt auf Deck und gibt das Tochterboot für einen weiteren Aussetzvorgang frei. Die "Vegesack" rutscht also nur durch ihr Eigengewicht ins Wasser. Inzwischen würde ich diesen Vorgang
soweit ändern, daß das Tochterboot komplett aufgeslippt wird, und nach Schließen der Heckklappe, wird der Fanghaken eine kurzes Stück nach hinten gefahren, um das Tochterboot wieder frei zu geben.
 


Weitere Tips:

1.) Die Rollen in der Heckwanne habe ich mit Schrumpfschlauch überzogen. Sieht ganz gut aus und spart die Lackierung, die ohnehin nicht halten würde.

2.) Die kleinen Öffnungen oberhalb der Ruder kann man vergessen. Ich habe nachträglich eine einzige große Öffnung in die Heckwanne geschnitten und das ganze nach dem Lackieren mit Silikon wieder eingeklebt. Absolut dicht und im Notfall doch zugänglich.

3.) Die Ruder auf jeden Fall gut abdichten. Durch die kurzen Koker kommt leicht Wasser ins Boot.

4.) Die Gestänge zwischen den Rudern sind winklig gebogen und können sich leicht versehentlich verbiegen. Ich habe einfach in die Ecken kleine Messingbleche gelötet und habe seitdem keine Probleme mehr.

5.) Das Tochterboot wird mit Hilfe eines Reedkontaktes (gibt´s bei Conrad) ein- und ausgeschaltet. Dazu befindet sich unter Deck ein entsprechender Magnet.